Existenzkrise in Brandenburgs Landwirtschaft?

Nach zwei Dürresommern scheint Brandenburg als Brennglas für die klimatischen Veränderungen zu stehen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf weite Regionen Mitteleuropas zukommen. Um die Brisanz des Klimawandels und seiner Bedeutung in Brandenburg aufzuzeigen, veranstaltete das Gemeinschaftsprojekt „Frieda e.V“ (www.die-frieda.org) am Samstag, den 31.08. in Brück einen Film-, Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema. Soil HUB war dabei und moderierte durch den Abend.

Zunächst zeigte Malte Cegiolka einen Kurzfilm, bei dem die Perspektive des Landwirts Mark Dümichen aus dem Niederen Fläming deutlich wurde. Anschließend gab es einen Vortrag von Philipp Gerhardt über die Bedeutung des Klimawandels für unsere zukünftigen Anbausysteme, und seinen Ansatz, durch integrierte Baumfeldwirtschaft Ökosystemregeneration mit Nahrungsmittelproduktion zu verbinden (www.baumfeldwirtschaft.de).

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Soil HUB geleitet. Mit Podiumsteilnehmenden Barbara Ral (Klimaschutzmanagerin aus Potsdam Mittelmark), Dr. Joachim Niklas (Gründer des Ökokombinats Bad Belzig, http://www.ökokombinat.de), Mathias Peeters (Gründer der SoLaWi-Gärtnerei BAUERei in Grube bei Potsdam) und Philipp Gerhardt (Dipl. Forstwirt und Gründer von Baumfeldwirtschaft, s.o.) wurde über den Status Quo in Sachen Klimawandel in Brandenburg diskutiert, es wurden Gründe für zu langsam voranschreitendes Handeln analysiert, und mögliche Zukunftsperspektiven entworfen.

Durch die unterschiedlichen Expertisenfelder der Gäste wurde schnell die Komplexität des Themas deutlich. Während Einigkeit darüber bestand, dass die Existenz des Klimawandels den Arbeitsalltag sowohl in Land- und Forstwirtschaft bereits bestimmt, ist die Brisanz des Handlungsbedarfs auf vielen politischen und zivilgesellschaftlichen Ebenen noch nicht angekommen. Hemmfaktoren für die Implementierung humusaufbauender Agrarsysteme  sind vor allem überbürokratisierte Geldvergabevorgaben, fehlendes Verständnis der Zusammenhänge von Klimawandel und Landwirtschaft, und nicht zuletzt Besitzverhältnisse landwirtschaftlicher Flächen.

Zwar ist wichtig, dass wir alle unsere Meinung auf der Straße und im Supermarkt kundtun;  Solange aber der Zugang zu Land für JunglandwirtInnen und –gärtnerInnen von der Kaufkraft großer Hedgefonds und Agrargenossenschaften überschattet wird; solange die vorherrschende Gute Fachliche Praxis in der Landwirtschaft noch immer von unkrautfreien Äckern und einjährigen Kulturen geprägt ist, solange die Auslagerung unseres Flächenbedarfs zur Lebensmittelproduktion in andere Kontinente nicht politisch hinterfragt wird, kann von Landwirtschaft als Lösung für den Klimawandel keine Rede sein.

Trotz Temperaturen um die 30 Grad war im Gemeinschaftsraum der Frieda jeder Stuhl besetzt. Die Stimmung war bis zur letzten Minute gebannt, und selbst nach Ende blieben noch viele, um in lockerer Atmosphäre weiterführende Gedanken zu teilen. Veranstaltungen wie diese zeigen, dass der Wunsch nach Veränderung groß ist. Wollen wir eine Zukunft des Gelingens schaffen, müssen wir erschreckende Klimawandelszenarien an uns heranlassen, sie durchdringen, und letztendlich in Motivation zur Veränderung wandeln.