under_cover: Bodenfruchtbarkeit in drei Tagen

Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Landwirtschaft gibt es noch viel zu erforschen. Soil HUB ist Teil dieser weltweiten Bewegung, die Agrarkultur in Zeiten von Klimawandel und weiteren Herausforderungen neu denkt und weiterentwickelt. Soil HUB hat das Ziel, zu diesem Wissensaustausch zu Humusaufbau und Bodenmanagement beizutragen, und trifft damit einen Nerv der Zeit: Immer mehr LandwirtInnen, GärtnerInnen, Agrarfachkräfte und Interessierte nehmen private Weiterbildungsangebote in diesem Bereich wahr um von den Erfahrungen und Experimenten anderer lernen zu können. Soil Hub hat im Dezember 2018 das von der under_cover GbR organisierte “Intensivseminar Bodenfruchtbarkeit” besucht und sich mit Herz, Kopf und Händen auf das Thema Bodenfruchtbarkeit eingelassen.

Seit er 2012 gemeinsam mit seinem Studienkollegen Stefan von Bonin die GbR “under_cover – Gemeinsam für Bodenfruchtbarkeit” gegründet hat, bietet Jan-Hendrik Cropp ganzjährig Fortbildung zum Thema Bodenfruchtbarkeit in Form von Seminaren und Betriebsberatung an. Die under_cover GbR basiert ihre Arbeit auf der Leitidee der Steigerung von Bodenfruchtbarkeit in Gemüse- und Ackerbau durch das Design betriebsspezifischer Anbausysteme und -praktiken.

Hier bei sind vier Eigenschaften natürlicher Ökosysteme zentral: hohe Pflanzenvielfalt, Bodenruhe, ganzjährige Bodenbedeckung und ganzjährige Durchwurzelung des Bodens. Klingt für landwirtschaftliche Betriebe, deren Arbeit meist auf intensiver Bodenbearbeitung und maximaler Flächenausnutzung basiert, zunächst unrealistisch. Das Besondere an den under_cover-Ansätzen ist aber, dass sie nicht von einer fernen Zukunftsutopie her gedacht sind, sondern allesamt in eigenen Experimenten und in Zusammenarbeit mit Betrieben entstanden sind und erprobt wurden.

In dem dreitägigen Seminar haucht Jan-Hendrik den vier Prinzipien natürlicher Ökosysteme mit ausführlichen Beispielen Leben ein.

Am ersten Vormittag nehmen wir unsere mitgebrachten Bodenziegel unter die Lupe und bewerten sie nach dem Bodenbewertungsschema von Dr. Andrea Beste. Erstaunliche Unterschiede in Form, Krümelstruktur und Drucktoleranz bereits in den oberen 0-15cm geben ein ersten Gefühl dafür, dass Bodenbearbeitung nichts Universelles sein kann, sondern mit Augenmaß für jeden Bodentyp samt Bepflanzungsplan entworfen werden sollte! In der Boniturübung sehen wir, dass Ziegel mit tiefwurzelnden Grastypen tendenziell eine bessere Krümelstruktur und weniger Verdichtung aufweisen, als andere – was uns, zurück im Seminarraum, direkt auf die Bodenbedeckung zu sprechen kommen lässt. Mit vielen Fotos von gemulchten Anbausystemen zeigt uns Jan-Hendrick, dass Bodenbedeckung neben dem Schutz der natürlichen Bodenprozesse auch arbeitswirtschaftliche Vorteile wie Ertragssteigerung und weniger Bodenbearbeitungsaufwand mit sich bringt.

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An den zwei folgenden Tagen lernen wir viele Alternativen und Erweiterungen zur traditionellen Bodenbearbeitung kennen und gehen auf Möglichkeit der Bodenbedeckung durch Untersaaten, Zwischenfrüchte sowie in-situ- und Transfermulch ein. Verschiedene Geräte zur Bodendurchlockerung im wachsenden Bestand, zur Unkrautregulierung mit flachem Unterschnitt bis hin zu einer selbstentwickelten Maschine zur Direktpflanzung in 7-10cm dicke Mulchdecken werden vorgestellt, mit erstaunlichen Auswirkungen auf Durchwurzelung und Pflanzenwachstum! Beisaat, Untersaat, Zwischenfrüchte und Lebendmulch – alles Möglichkeiten, um den Boden trotz Hauptkultur bedeckt zu halten. Es geht um Praktisches – wie kann in den Mulch hineingepflanzt werden, wie lässt sich Direktsaat mit Zwischenfrüchten verbinden, und wie berechnet man die Düngerersparnis durch Transfermulch? Auch hier gibts einen ausführlichen Technikexkurs, bei dem man den Eindruck bekommt, Jan hat schon mit jedem Betrieb, der Mulchsysteme nutzt, zusammengearbeitet – von Scheibensech über Keyline Plow bis Grasnarbenlockerer bleibt dabei kein Werkzeug unerwähnt.

In einer Planungsübung wenden wir die erlernten Bodenbearbeitungsmethoden, sowie Mulch- und Zwischenfruchteinsatz auf von uns mitgebrachte Fruchtfolgen aus unseren Betrieben an, und sind bevor wir es merken mitten drin im Designprozess.

Was uns Jan verstehen lassen will, ist, dass Bodentyp und -zustand seine Bearberitungsmethode definieren, und nicht andersherum. Keine Bodenbearbeitung sollte ohne vorherige Bonitur stattfinden. Es wird klar, dass Fragen nach Direktsaat, Gründüngungsmischungen und Sommer- bzw. Winterzwischenfrüchten nicht unabhängig von den eigenen Voraussetzungen, der Bodenbeschaffenheit und den Möglichkeiten des eigenen Betriebs beantwortet werden können. Eine immer wiederkehrende Bodenbonitur sowie State-of-the Art-Analysen können dabei große Dienste erweisen. Er zegt außerdem, dass No-Till oder gar keine Bodenbearbeitung nicht zwangsläufig zu tatsächlichem Humusaufbau führt, und dass Pflügen dem Ziel der Garekonservierung in manchen Fällen sehr viel dienlicher ist!

Nach dem ersten Tag raucht mein Kopf, nach dem zweiten Tag fühlt es sich so an, als müssten vorher gespeicherte Informationen Platz machen damit ich Weiteres aufnehmen kann, und nach dem dritten Tag formen sich in meinem Kopf erste Ideen, wie ich das Gelernte anwenden kann – wohl das beste, was man sich als Seminarleiter wünschen kann. Mit ihrem kundenorientieren und gleichzeitig zukunftsweisenden Angebot hat die under_cover GbR ein Format erschaffen, das Brücken bauen und Ziele der regenerativen Bodenbearbeitung in greifbare Nähe rücken lassen kann.

Zwar sind wir von einem Paradigmenwechsel vor allem in der konventionellen Landwirtschaft noch weit entfernt, das Handwerkszeug, um an wichtigen Stellschrauben zu drehen, ist aber schon längst da und wird angenommen; an Tag drei verlassen mit mir 25 weitere rauchende und inspirierte Köpfe den Raum, um die Ideen von under_cover in die Welt zu tragen!

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