Wie smart ist Climate Smart Farming?

Foto des Originalbeitrags, © Thomas Pirot für DIE ZEIT

Der vergangene Dürresommer hat zumindest einen guten Effekt: das Thema Bodenaufbau und seine Rolle in Klimaanpassung und -schutz erfährt deutlich mehr Aufmerksamkeit. Auffällig ist dabei auch der neue Fokus auf Wegen abseits der technisierten landwirtschaftlichen Herangehensweisen an ein sich wandelndes Klima, häufig zusammengefasst als Climate Smart Farming. Dieser Begriff kennt zwar keine offizielle Zuordnung zu speziellen Herangehensweisen, doch wird er ausgiebig von bekannten Agrar-Industriegrößen besetzt und beinhaltet somit IT-präzisierte Ausbringungsverfahren, Gentechnik, getimte Stickstoffdünger, und eine Menge Datensammlung, die Effizienz hervorbringen soll. Bislang geringere Aufmerksamkeit haben die ökologischen, weniger plakativen Herangehensweisen erfahren, was sich aber in diesem Jahr zu ändern scheint. So auch jüngst auch in der ZEIT (43/2018), in der die neue Broschüre „Vom Mythos der Klimasmarten Landwirtschaft“ von Andrea Beste und Anita Idel im Auftrag des Grünen MdP Martin Häussling durch ein Interview und einen zusammenfassenden Artikel (nur in der Online Version verfügbar) vorgestellt wurden. In diesem wichtigen und knackig zusammengestellten Bericht kommt mir die Mitigationsrolle der Böden im Klimawandel zu kurz und wird als ‚Ablasshandel‘ abgewatscht, mit der Begründung dass es nicht die Landwirtschaft sein sollte, die CO2 anderer Industriezweige in ihre Böden bringen muss. Soweit richtig, doch wird dabei übersehen, dass ein durchaus signifikanter Teil des momentan atmosphärischen CO2 in Böden und Äckern befand, die vor allem durch die landwirtschaftlichen Praktiken der letzten Jahrzehnte in die Atmosphäre gelangt sind. So oder so; das Schuldfass aufzumachen erscheint mir als ein sehr unpragmatischer Weg, zumal wenn alle in diesem Rahmen sich einig sind, dass Kohlenstoffspeicherung sowohl als Adaptions- wie auch als Mitigationswerkzeug eine Win-Win-Herangehensweise ist.

Beitragsfoto: Foto des Originalbeitrags, © Thomas Pirot für DIE ZEIT